
Genesis bringt den GV60 Magma auf die internationalen Märkte. Dabei handelt es sich weder um ein Designpaket noch um eine weitere Ausstattungslinie des GV60, sondern um das erste Serienmodell des Magma-Programms – mit leistungsstärkeren Elektromotoren, einem neu abgestimmten Fahrwerk, größeren Bremsen und eigenen Fahrmodi. Die technische Basis bleibt jedoch vertraut: Allradantrieb, eine 84-kWh-Batterie und die 800-Volt-Ladearchitektur des aktuellen GV60.
Die kurze Antwort
Das nächstliegende Serienmodell ist der GV60 Performance AWD. Der Magma ist jedoch leistungsstärker, breiter, niedriger und deutlich stärker auf sportliches Fahren ausgelegt. Im Boost-Modus entwickelt er 478 kW und 790 N·m statt 360 kW und 700 N·m beim GV60 Performance. Für die zusätzliche Leistung zahlt man nicht nur mit einem höheren Preis: Die britische WLTP-Reichweite des Magma fällt ebenfalls geringer aus.
Fünf wichtige Termine in der Geschichte des Genesis GV60 Magma
Am 25. März 2024 präsentierte Genesis das Konzeptfahrzeug GV60 Magma Concept im Genesis House New York und kündigte gleichzeitig den Start des Hochleistungsprogramms Magma an. Das bestätigt die offizielle Pressemitteilung von Genesis.
Am 11. Juli 2024 wurde das Konzept beim Goodwood Festival of Speed erstmals in Bewegung gezeigt. Später absolvierte es die 1,86 Kilometer lange Strecke des Sunday Shootout in 52,72 Sekunden und gewann die Kategorie der viersitzigen Serienfahrzeuge.
Am 20. November 2025 wurde der serienmäßige GV60 Magma auf der Rennstrecke Paul Ricard im französischen Le Castellet vorgestellt. Genesis bezeichnete ihn in einem Bericht zur Weltpremiere als erstes serienmäßiges Hochleistungsmodell der Marke.
Am 13. Januar 2026 startete der Verkauf in Südkorea. Auf dem Heimatmarkt wurde das Fahrzeug in einer einzigen Ausstattung zu einem Preis von 96,57 Millionen Won vor Abzug von Förderungen angeboten.
Am 29. Juli 2026 nannte Car and Driver den US-Einstiegspreis und die ersten Lieferregionen. Diese Angaben sollten vorerst als Bericht eines Fachmediums betrachtet werden: Die offizielle Website von Genesis USA verwies am 30. Juli 2026 lediglich auf das bevorstehende Erscheinen des Modells und eine begrenzte erste Stückzahl.

GV60 Magma und GV60 Performance: Technischer Vergleich
Ein Vergleich des Magma mit dem heckgetriebenen Basis-GV60 wäre nur bedingt sinnvoll, da die Unterschiede zu groß ausfallen würden. Deshalb wird in der Tabelle der GV60 Performance AWD herangezogen – die schnellste Version der regulären Baureihe. Preise und Reichweiten beziehen sich auf Großbritannien, damit Werte aus unterschiedlichen Märkten und Zertifizierungsverfahren nicht vermischt werden.
Parameter | GV60 Performance AWD | GV60 Magma |
|---|---|---|
Maximale Leistung | 360 kW im Boost-Modus | 448 kW; 478 kW im Boost-Modus |
Maximales Drehmoment | 700 N·m | 740 N·m; 790 N·m im Boost-Modus |
Beschleunigung 0–100 km/h | 4,0 s im Boost-Modus | 3,4 s im Boost-Modus |
Höchstgeschwindigkeit | 235 km/h | 264 km/h |
Batterie | 84 kWh | 84 kWh |
Laden von 10–80 % | 18 Minuten unter geeigneten Bedingungen | 18 Minuten unter geeigneten Bedingungen |
WLTP-Reichweite, Großbritannien | 311 Meilen, etwa 500 km | 264 Meilen, 425 km |
Abmessungen, L × B × H | 4545 × 1890 × 1580 mm | 4635 × 1940 × 1560 mm |
Reifen | 255/40 R21 | 275/35 R21, Pirelli, Sommerreifen |
Einstiegspreis in Großbritannien | 67.715 Pfund | 75.915 Pfund |

Der Radstand ist bei beiden Versionen identisch und beträgt 2900 mm. Die zusätzlichen 90 mm Länge des Magma entfallen auf die geänderten Front- und Heckstoßfänger, während die Karosserie 50 mm breiter und 20 mm niedriger ist. Dadurch verändern sich die Proportionen, ohne dass der Abstand zwischen den Achsen wächst.
Warum manchmal 650 und 641 PS genannt werden
Hier liegt kein Widerspruch vor. In den globalen Unterlagen von Genesis werden 650 PS angegeben, also metrische Pferdestärken. Auf der US-Seite werden dieselben 478 kW nach dem mechanischen Standard in 641 hp umgerechnet. Für einen direkten Vergleich sind Kilowatt zuverlässiger: Die Spitzenleistung des GV60 Magma beträgt 478 kW.
Mehr Leistung, aber nicht nur eine bessere Beschleunigung
Die beiden Elektromotoren des Magma leisten im normalen Maximalmodus 448 kW und 740 N·m. Durch Drücken der Boost-Taste steigt die Leistung für etwa 15 Sekunden auf 478 kW und 790 N·m. Mit Launch Control beschleunigt das Fahrzeug in 10,9 Sekunden aus dem Stand auf 200 km/h. Beim serienmäßigen GV60 Performance ist der Boost-Modus 10 Sekunden lang aktiv, die Spitzenleistung beträgt 360 kW.
Bei hoher Belastung kann das System High-Performance Battery Control die Batterietemperatur im Voraus auf einen kurzen Sprint oder längeres schnelles Fahren vorbereiten. Genesis hat außerdem die Kühlung der Elektromotoren und der Leistungselektronik überarbeitet. Der Hersteller veröffentlicht keine separate Rundenzeit und macht keine Angaben dazu, wie viele vollständige Beschleunigungsvorgänge das Fahrzeug nacheinander ohne Leistungsreduzierung absolvieren kann.
Fahrwerk: andere Abstimmung, größere Bremsen und breitere Spur
Die Ingenieure änderten die Fahrwerksgeometrie und die Lage des Wankzentrums. Außerdem wurden elektronisch gesteuerte Dämpfer mit dem System End-of-Travel eingebaut, das die Fahrwerksbewegung an den Grenzen des Federwegs kontrolliert. An der Vorderachse kommen hydraulische Buchsen zum Einsatz, im hinteren Hilfsrahmen zweilagige Buchsen. Sie sollen präzisere Reaktionen mit einer akzeptablen Isolierung der Karosserie von Stößen und Vibrationen verbinden.
Die einteiligen vorderen Bremssättel arbeiten mit 400 mm großen Bremsscheiben. Der Magma verfügt außerdem über eigene geschmiedete 21-Zoll-Räder und 275 mm breite Pirelli-Sommerreifen. Beim GV60 Performance fällt die Reifengröße mit 255/40 R21 kleiner aus. Erst das Zusammenspiel aus breiterer Spur, geänderter Fahrwerkskinematik, Bremsen und Reifen macht den Magma zu einer eigenständigen Hochleistungsversion und nicht lediglich zu einem GV60 mit per Software erhöhter Leistung.

Was der Fahrer spürt
im GT-Modus eine ruhigere Abstimmung für schnelle Langstreckenfahrten;
im Sprint-Modus besonders direkte Reaktionen von Antrieb und Fahrwerk;
im Drift-Modus eine Auslegung des Allradantriebs mit stärkerem Schwerpunkt auf der Hinterachse;
bei aktiviertem VGS acht virtuelle Gänge, eine veränderte Kraftübertragung beim Schalten und einen synthetisch erzeugten Klang eines hoch drehenden Motors;
im MY Mode die Möglichkeit, das elektronische Sperrdifferenzial e-LSD, die Stabilitätsregelung und weitere Parameter getrennt einzustellen.
Einige elektronische Funktionen kennt man bereits vom GV60 Performance
Virtuelle Gangwechsel per VGS, ein elektronisches hinteres Differenzial, das adaptive Fahrwerk und sogar der Drift Mode sind innerhalb der GV60-Familie nicht vollständig neu: Auf einzelnen Märkten bietet sie bereits der aktuelle GV60 Performance. Beim Magma wurden diese Funktionen jedoch eigens kalibriert. Hinzu kommen die Modi GT und Sprint, eine erweiterte Batterievorkonditionierung und eine eigene Benutzeroberfläche.

Im Magma-Modus wechselt die Instrumentendarstellung des 27-Zoll-Displays zu einem Layout mit drei runden Anzeigen. Zu sehen sind die Temperaturen von Motoren und Batterie, die Querbeschleunigung, die Pedalstellungen und ein Timer. Das Head-up-Display zeigt die Geschwindigkeit, die Rekuperationsstufe und die verbleibende Boost-Zeit an.
Innenraum: Schalensitze statt Standardsitze, ohne Verzicht auf Komfort
Der Magma ist mit vorderen Schalensitzen ausgestattet, die sich elektrisch in zehn Richtungen verstellen lassen und über Heizung, Belüftung sowie eine dynamische Seitenwangenverstellung verfügen. Je nach Geschwindigkeit und Fahrmodus fixieren die Seitenwangen den Körper stärker. Für die Bezüge der Sitze, Türen und Mittelkonsole wird das samtartige Material Chamude verwendet. Am Lenkrad gibt es eine separate Magma-Taste und eine orangefarbene Boost-Taste.
Der reguläre britische GV60 Performance verfügt dagegen über einen 18-fach elektrisch verstellbaren Ergo-Motion-Fahrersitz mit Relax-Funktionen. Der Wechsel zum Magma ist deshalb nicht bei jedem Detail eine uneingeschränkte Verbesserung: Die Sportsitze sind auf besseren Halt ausgelegt, während die Standard-Topversion einen größeren Bereich komfortabler Einstellungen bietet.

Gleiche Batterie, geringere Reichweite
Beide verglichenen Versionen nutzen eine 84-kWh-Batterie und können unter geeigneten Bedingungen an einer ausreichend leistungsstarken DC-Ladestation in 18 Minuten von 10 auf 80 % geladen werden. Die offiziellen britischen WLTP-Werte unterscheiden sich jedoch: Der Magma kommt auf 425 km, der GV60 Performance auf etwa 500 km.
Genesis legt nicht offen, welchen Anteil die breiteren Reifen, die Aerodynamikelemente, das Gewicht und die Abstimmung des Antriebs an diesem Unterschied haben. Deshalb wäre es falsch, die geringere Reichweite nur einem einzelnen Faktor zuzuschreiben. Die aktuellen Werte des Magma und die Bedingungen ihrer Ermittlung sind auf der offiziellen Website von Genesis UK veröffentlicht.
Praktische Schlussfolgerung für Käufer
Der Magma benötigt für das Schnellladen nicht mehr Zeit als der GV60 Performance, fährt im britischen WLTP-Zyklus jedoch 47 Meilen beziehungsweise etwa 75 km weniger weit. Für gelegentliche Fahrten auf der Rennstrecke ist das ein erwartbarer Kompromiss. Bei häufigen Langstrecken kann der Unterschied dagegen die Zahl der nötigen Ladestopps beeinflussen.
Wo der GV60 Magma bereits verkauft wird und was er kostet
Der erste Markt war Südkorea: Am 13. Januar 2026 startete Genesis den Verkauf der einzigen Ausstattung zu einem Preis von 96,57 Millionen Won vor Förderungen. Dort beträgt die zertifizierte Reichweite 346 km. Ein direkter Vergleich mit dem europäischen WLTP-Wert ist wegen des anderen Messverfahrens jedoch nicht möglich.
In Großbritannien beginnt die offizielle Preisliste bei 75.915 Pfund – 8.200 Pfund mehr als beim GV60 Performance. Auf der britischen Website ist bereits ein Angebot für Bestellungen veröffentlicht, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September 2026 aufgegeben werden. Das bestätigt den Übergang von der Ankündigung zur Markteinführung.
Für die USA nannte Car and Driver am 29. Juli 2026 einen Preis von 71.495 Dollar inklusive Überführung und teilte mit, dass die ersten Fahrzeuge bei Händlern in Kalifornien, New Jersey und New York eintreffen sollen. Diese Angaben sind aktuell, wurden auf der Website von Genesis USA bislang jedoch nicht offiziell bestätigt. Der Hersteller spricht lediglich von einer begrenzten Anfangsproduktion und einem baldigen Verkaufsstart.
Was noch nicht bekannt ist
Genesis hat keine Gesamtstückzahl des GV60 Magma und keine Verteilung der Fahrzeuge auf die einzelnen Länder genannt.
Eine vollständige Liste der europäischen Märkte und ein einheitlicher Liefertermin wurden noch nicht veröffentlicht.
Der offizielle EPA-Wert für die US-Version ist bislang nicht bekannt.
Genesis USA hatte am 30. Juli 2026 trotz des Berichts von Car and Driver noch keine eigene Preisliste veröffentlicht.
Fazit: Wie weit hat sich der Magma vom normalen GV60 entfernt?
Der GV60 Magma übernimmt Batterie, Radstand und Schnellladefunktion des Serienmodells, erhält aber einen deutlich leistungsstärkeren Antrieb, eine breitere Karosserie, eine andere Fahrwerksgeometrie, größere Bremsen, breite geschmiedete Räder und ein eigenes Set an Fahrmodi. Der Unterschied zum GV60 Performance beschränkt sich nicht auf 118 kW mehr Spitzenleistung: Fahrwerk, Kühlung, Benutzeroberfläche und Sitzposition verändern den Charakter des Fahrzeugs.
Die Kehrseite sind der höhere Preis und die geringere Reichweite. Der Magma richtet sich deshalb nicht an Käufer, die einfach den teuersten GV60 suchen, sondern an diejenigen, die die zusätzlichen Möglichkeiten von Antrieb und Fahrwerk tatsächlich nutzen werden.










