
Am 2. August 2026 berichtete Autoblog über neue Aussagen von Ferrari-CEO Benedetto Vigna: Das Unternehmen hatte verschiedene kohlenstoffneutrale Kraftstoffe getestet, und seine Motoren liefen damit ohne nennenswerte Veränderungen. Das bedeutet nicht, dass Ferrari einen Termin für die Umstellung von Serienfahrzeugen auf Biokraftstoff angekündigt hat. Die Meldung passt jedoch zur offiziellen Strategie der Marke: Verbrennungsmotoren werden nicht aus dem Angebot verschwinden, sondern parallel zu Hybriden und Elektroautos weiterentwickelt.
Ferrari will bis 2030 drei Antriebsrichtungen im Angebot behalten: rund 40 % Modelle mit Verbrennungsmotor, 40 % Hybride und 20 % Elektroautos. Gemeint ist die Zusammensetzung der Modellpalette, nicht der Anteil an Produktion oder Verkäufen.
Was sicher bekannt ist
Ferrari wird V6-, V8- und V12-Motoren weiterentwickeln und dabei die neuen Anforderungen verschiedener Märkte berücksichtigen.
Künftige Verbrennungsmotoren sollen mit alternativen Kraftstoffen kompatibel sein.
Hybride bleiben ein eigenständiger, großer Bestandteil der Modellpalette und keine vorübergehende Stufe vor dem vollständigen Abschied vom Verbrennungsmotor.
Der erste vollelektrische Ferrari ergänzt die Modellpalette, ersetzt aber nicht die anderen Antriebsvarianten.
Die genauen Daten: Wie Ferrari zur Strategie mit mehreren Antriebsarten kam
Wichtige Etappen der Elektrifizierung bei Ferrari | ||
Datum | Ereignis | Bedeutung für die Strategie |
|---|---|---|
29. Mai 2019 | Der SF90 Stradale wird vorgestellt – Ferraris erster serienmäßiger Plug-in-Hybrid. | Elektromotoren wurden Teil eines Serienantriebs und waren nicht mehr nur ein Experiment |
24. Juni 2021 | Der 296 GTB feiert Premiere, mit einem Plug-in-Hybridsystem auf V6-Basis. | Ferrari zeigte, dass die Hybridisierung nicht ausschließlich an den V8 gebunden ist |
21. Juni 2024 | In Maranello wird das e-building eröffnet. | An einem Standort können Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, Hybride und Elektroautos produziert werden |
9. Oktober 2025 | Ferrari stellt den Strategieplan bis 2030 und produktionsbereite Komponenten des ersten Elektroautos vor. | Das Modellverhältnis 40/40/20 wird offiziell festgeschrieben |
2. August 2026 | Die Fachpresse veröffentlicht Vignas Aussage zu Tests mit kohlenstoffneutralem Kraftstoff. | Der offiziellen Zusage zum Erhalt des Verbrennungsmotors wird zusätzlicher Kontext gegeben |

Was das Verhältnis 40/40/20 tatsächlich bedeutet
Am Capital Markets Day am 9. Oktober 2025 beschrieb Ferrari die erwartete Zusammensetzung der Modellpalette für 2030. Rund 40 % des Angebots sollen auf Modelle mit Verbrennungsmotor entfallen, weitere rund 40 % auf Hybride und etwa 20 % auf Elektroautos.
Diese Prozentsätze lassen sich leicht als Verkaufsprognose missverstehen. Ferrari formulierte sie jedoch als Struktur des „Model Line-up“, also der Modellpalette. Ein limitiertes Fahrzeug und ein besser verfügbares Serienmodell können dabei gleichermaßen zur Modellpalette zählen, obwohl ihre Produktionszahlen völlig unterschiedlich ausfallen. Das Unternehmen hat nicht offengelegt, welchen Anteil an den tatsächlichen Auslieferungen im Jahr 2030 die einzelnen Antriebsarten haben werden.
So ist 40/40/20 zu verstehen
Stellt man sich die Modellpalette beispielhaft mit zehn Modellen vor, entspräche die Strategie ungefähr vier reinen Benzin-Ferrari, vier Hybriden und zwei Elektroautos. Das ist nur ein anschauliches Beispiel: Die tatsächliche Zahl der Modelle und die Stückzahlen der einzelnen Baureihen können anders ausfallen.
Im selben Plan ist außerdem ein durchschnittliches Tempo von vier Neuvorstellungen pro Jahr für den Zeitraum von 2026 bis 2030 vorgesehen. Als Markteinführung kann dabei nicht nur eine vollständig eigenständige Modellfamilie gelten. Deshalb wäre es falsch, diese Zahl mit fünf zu multiplizieren und 20 dauerhaft verfügbare Modelle zu erwarten.
Warum Ferrari V6, V8 und V12 nicht aufgibt
In der offiziellen Strategie werden V6, V8 und V12 ausdrücklich genannt. Ferrari will diese Motoren weiterentwickeln, ihre spezifische Leistung steigern und sie an sich verändernde Vorschriften anpassen. Das ist ein bestätigter langfristiger Kurs, aber kein Versprechen, jedes aktuelle Modell oder jeden konkreten Hubraum beizubehalten.
Die Produktionsbasis ist bereits auf dieses Szenario ausgelegt. Das am 21. Juni 2024 eröffnete e-building ist für die Montage von Fahrzeugen mit allen drei Antriebsarten vorgesehen. Ferrari fertigt dort auch wichtige elektrische Komponenten wie Hochvoltbatterien, Elektromotoren und Achsen.
Diese Organisation ermöglicht es dem Werk, das Produktionsverhältnis zu verändern, ohne für jeden Fahrzeugtyp einen eigenen Standort bauen zu müssen. Ferrari hat jedoch keine genaue jährliche Produktionsquote für Verbrenner, Hybride und Elektroautos veröffentlicht.

Der Hybrid ist für Ferrari mehr als nur eine Möglichkeit zur Verbrauchssenkung
Die Geschichte der serienmäßigen Plug-in-Hybride der Marke begann mit dem SF90 Stradale, der am 29. Mai 2019 vorgestellt wurde. Am 24. Juni 2021 präsentierte Ferrari anschließend den 296 GTB: Ein V6-Benziner arbeitet mit einem Elektromotor zusammen, die Systemleistung erreicht laut Hersteller 830 cv.
An diesen Fahrzeugen zeigt sich, warum Ferrari am Hybridantrieb festhält. Der elektrische Teil kann zusätzlichen Schub liefern, Verzögerungen beim Ansprechen des Verbrennungsmotors ausgleichen, kurze Strecken ohne laufenden Motor ermöglichen und die Verteilung der Leistung unterstützen. Deshalb nehmen Hybride im Plan bis 2030 denselben Anteil an der Modellpalette ein wie Fahrzeuge ohne Traktionsbatterie.
Typ | Anteil an der Modellpalette 2030 | Rolle | Was noch unbekannt ist |
|---|---|---|---|
Verbrennungsmotoren | Rund 40 % | Erhalt von V6, V8 und V12 sowie Steigerung der spezifischen Leistung | Welche Modelle und Motoren Ende des Jahrzehnts tatsächlich bleiben |
Hybride | Rund 40 % | Kombination aus Benzinmotor und selbst entwickelten elektrischen Komponenten | Das Verhältnis zwischen Vollhybriden und Plug-in-Hybriden wurde nicht bekannt gegeben |
Elektroautos | Rund 20 % | Neue Antriebsrichtung als Ergänzung der Modellpalette | Die vollständige Zusammensetzung der Elektro-Modellfamilie und die Produktionszahlen |

Das Elektroauto ergänzt die Modellpalette, statt die anderen Ferrari zu verdrängen
Am 9. Oktober 2025 präsentierte das Unternehmen produktionsbereite Fahrgestelle und den Antrieb seines ersten vollelektrischen Fahrzeugs. Auf der offiziellen Ferrari-Elettrica-Seite heißt es, dass das Projekt mehr als 60 patentierte Lösungen nutzt und die wichtigsten elektrischen Komponenten in Maranello entwickelt und gefertigt werden. Die Auslieferungen sollten Ende 2026 beginnen.
Ferrari beschreibt das Elektroauto als Erweiterung der Auswahl. Das entspricht dem angestrebten Anteil von rund 20 %: Batteriemodelle werden dauerhaft Teil des Angebots, doch aus dem offiziellen Plan lässt sich kein vollständiger Umstieg der Marke auf Elektroantrieb ableiten.

Ein interessantes Detail
Die elektrische Strategie von Ferrari begann lange vor dem ersten Serienfahrzeug ohne Verbrennungsmotor. Das Unternehmen datiert die Entwicklung seiner Kompetenzen auf die Hybridlösungen des Formula-1-Rennwagens von 2009, den Prototyp 599 HY-KERS von 2010 und den LaFerrari von 2013 zurück.
Welche Rolle alternative Kraftstoffe spielen könnten
Der offizielle Ferrari-Plan sieht vor, künftige V6-, V8- und V12-Motoren mit alternativen Kraftstoffen kompatibel zu machen. In einem Autoblog-Bericht vom 2. August 2026 heißt es unter Berufung auf Benedetto Vigna, Ferrari habe bereits mehrere kohlenstoffneutrale Kraftstoffmischungen getestet und dabei keine Probleme im Motorbetrieb festgestellt.
Aus dieser Meldung lässt sich jedoch nicht schließen, dass alle neuen Ferrari schon bald mit Biokraftstoff betrieben werden. Das Unternehmen hat bisher weder die Kraftstoffspezifikation noch eine Liste kompatibler Straßenmodelle, einen Termin für die Markteinführung oder die Länder genannt, in denen der Kraftstoff verfügbar sein wird. Ebenfalls nicht bestätigt ist, ob bereits ausgelieferte Fahrzeuge neu abgestimmt werden müssten.
Kohlenstoffneutraler Kraftstoff bedeutet nicht abgasfreies Fahren
Bei seiner Verbrennung setzt der Motor weiterhin CO₂ frei. Der Begriff bezieht sich auf die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus: Der bei der Herstellung des Kraftstoffs eingesetzte Kohlenstoff soll die späteren Emissionen ausgleichen. Das Ergebnis hängt vom Ausgangsmaterial, dem Energieaufwand bei der Produktion, dem Transport und der verwendeten Bilanzierungsmethode ab.
Für Ferrari könnte alternativer Kraftstoff eine Möglichkeit sein, den Verbrennungsmotor in Segmenten weiterleben zu lassen, in denen Klang, mechanische Verbindung und der historische Charakter des Antriebs wichtig sind. Derzeit bewegt sich dieses Thema jedoch zwischen der technischen Bereitschaft der Motoren und einer künftigen kommerziellen Nutzung.
Was Ferraris Strategie für Käufer verändert
Das neue Elektroauto ist kein Signal für einen baldigen Abschied von Ferrari-Modellen mit Benzinmotor.
Der Hybrid bleibt eine eigenständige Wahl und nicht zwangsläufig eine Kompromissversion zwischen Verbrenner und Elektroauto.
Die Kompatibilität künftiger Motoren mit alternativen Kraftstoffen garantiert nicht, dass ein solcher Kraftstoff an gewöhnlichen Tankstellen verfügbar sein wird.
Die Prozentsätze aus dem Strategieplan lassen sich nicht als Prognose für den Restwert oder die Seltenheit eines bestimmten Modells verwenden.

Ferrari hat sich nicht für einen einzigen Antrieb der Zukunft entschieden, sondern für ein flexibles Produktionskonzept. Bis 2030 will die Marke Verbrennungsmotoren, Hybridsysteme und vollelektrische Fahrzeuge gleichzeitig weiterentwickeln. Alternative Kraftstoffe ergänzen dieses Konzept, ihre praktische Bedeutung für Serienfahrzeuge ist jedoch noch nicht festgelegt.










