
Der Dacia Bigster Hybrid steht im Mittelpunkt einer aktuellen Untersuchung von Green NCAP zu Familienfahrten im Sommer. Für das SUV wird eine Reichweite von 847 km mit vollem Tank angegeben – genug, um einen Großteil einer 800 Kilometer langen Strecke ohne Tankstopp zurückzulegen. Diese Zahl hat jedoch eine Einschränkung: Sie basiert auf dem errechneten Verbrauch und Tankvolumen und nicht auf einer Fahrt bis zur vollständigen Entleerung des Tanks.
Green NCAP ermittelte einen Verbrauch von 5,9 l/100 km im Szenario einer langen Reise mit vier Personen, Gepäck, eingeschalteter Klimaanlage und einem überwiegend auf der Autobahn verlaufenden Streckenanteil. Mit einem 50-Liter-Tank ergibt das rund 847 km. Wir ordnen ein, wie aussagekräftig dieser Wert für den Alltag ist und unter welchen Bedingungen der Hybrid deutlich mehr verbraucht.
So simulierte Green NCAP die Familienreise
Die unabhängige Organisation veröffentlichte am 16. Juli 2026 die Ergebnisse des sommerlichen Fahrszenarios. Bewertet wurde eine 800 Kilometer lange Fahrt mit typischer Urlaubsbeladung: vier Passagiere, Gepäck, laufende Klimaanlage und ein hoher Autobahnanteil. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und Hybriden berechnet die Organisation Verbrauch und Reichweite, bei Elektroautos zusätzlich die erforderliche Ladezeit unterwegs.
Beim getesteten Bigster handelt es sich um die Version Journey Hybrid mit Frontantrieb und Automatikgetriebe. Der Vollhybrid muss nicht an einer Steckdose geladen werden: Die Antriebsbatterie gewinnt beim Bremsen und mithilfe des Benzinmotors Energie zurück.
847 km: eine Berechnung, keine garantierte Reichweite
Die Rechnung ist einfach: 50 Liter werden durch 5,9 l/100 km geteilt und das Ergebnis anschließend mit 100 multipliziert. Das ergibt 847,5 km. Ein Tankvolumen von 50 Litern für den Hybrid 155 ist auch in der offiziellen technischen Datentabelle von Dacia angegeben.
Berechnete Reichweite im Szenario von Green NCAP.
Die Zahl von 847 km bedeutet nicht, dass jeder Bigster diese Strecke bis zum Aufleuchten der Tankwarnleuchte oder bis zum Stillstand zurücklegt. Das tatsächliche Ergebnis hängt von Geschwindigkeit, Temperatur, Streckenprofil, Reifen, Beladung, Gegenwind und der Nutzung der Klimaanlage ab. Außerdem tanken Fahrer in der Regel, bevor der Tank vollständig leer ist. Der praktische Abstand zwischen zwei Tankstopps fällt daher geringer aus.
Verbrauch des Bigster Hybrid in der Stadt, auf der Autobahn und im Winter

Bei hohem Tempo schrumpft der Vorteil des Hybridsystems. Foto: Dacia / Adrien Cortesi.
Green NCAP hat nicht nur das Ergebnis des Urlaubsszenarios veröffentlicht. Die vollständige Testkarte des Bigster zeigt, wie sich der Verbrauch bei unterschiedlichen Temperaturen und Streckenarten verändert.
Szenario | Verbrauch | Aussage des Ergebnisses |
|---|---|---|
Offizieller WLTP-Wert | 4,7 l/100 km | Zertifizierter Basiswert |
Warme Witterung | 4,3 l/100 km | Bestes Laborszenario |
Kurze Stadtfahrt | 4,8 l/100 km | Der Hybrid ist bei niedriger Geschwindigkeit besonders effizient |
Gemischte Strecke bei +2 °C | 5,1 l/100 km | Kalte, aber frostfreie Alltagsfahrt |
Sommerfahrt mit Beladung | 5,9 l/100 km | Vier Personen, Gepäck, Klimaanlage, überwiegend Autobahn |
Winterzyklus, warmer Start | 5,2 l/100 km | Motor und Innenraum sind bereits warm |
Winterzyklus, Kaltstart bei −7 °C | 7,2 l/100 km | Das Aufwärmen erhöht den Verbrauch deutlich |
Schnelle Autobahnfahrt | 7,3 l/100 km | Hohes Tempo verringert den Hybridvorteil |
Warum die Stadt sparsamer war als die Autobahn
Bei niedriger Geschwindigkeit nutzt der Hybrid häufiger den Elektromotor und gewinnt beim Verzögern einen Teil der Energie zurück. Auf der Autobahn wird seltener gebremst, während der Luftwiderstand mit zunehmendem Tempo stark ansteigt. Deshalb widersprechen sich 4,8 l/100 km bei einer kurzen Stadtfahrt und 7,3 l/100 km im Schnellfahrtest nicht: Das Antriebssystem arbeitet unter unterschiedlichen Bedingungen.
Was sich im Winter verändert
Ein Kaltstart bei −7 °C erhöhte den Verbrauch auf 7,2 l/100 km. Der Kraftstoff wird nicht nur für die Fahrt benötigt, sondern auch zum Aufwärmen des Antriebs und des Innenraums. Nach dem Warmlaufen sank der Wert auf 5,2 l/100 km. Green NCAP bewertete außerdem die Geschwindigkeit, mit der sich der Innenraum erwärmt, als schwach, die Wärmedämmung jedoch als akzeptabel. Für Besitzer bedeutet das: Kurze Winterfahrten sind weniger günstig als längere Strecken mit einem bereits warmen Fahrzeug.

Warum die Umweltbewertung bei 3,5 Sternen liegt
Der Bigster erreichte bei Green NCAP 63 % und 3,5 Sterne. Für ein großes Benzin-SUV ist das ein gutes Ergebnis: Die Organisation hob die wirksame Begrenzung der Schadstoffemissionen, das moderate Gewicht des getesteten Fahrzeugs von 1436 kg und den sparsamen Betrieb des Hybridsystems hervor.
Bei den Treibhausgasen lag die Bewertung dagegen bei 4,6 von 10 Punkten. Der Grund ist klar: Auch bei niedrigem Verbrauch stößt der Benzinmotor CO₂ aus, und die Methodik berücksichtigt die Auswirkungen des Fahrzeugs über seinen gesamten Lebenszyklus. Ein niedriger Verbrauch verbessert das Gesamtergebnis, macht einen Benzinhybrid aber nicht zu einem emissionsfreien Fahrzeug.
Was das Ergebnis für Käufer bedeutet
Im gemischten Betrieb ohne starken Frost erscheinen nach den Daten von Green NCAP etwa 5–6 l/100 km realistisch.
Auf der Schnellstraße sollte man eher mit einem Verbrauch von rund 7 l/100 km rechnen, besonders bei voller Beladung.
Bei kaltem Wetter treiben kurze Fahrten den Verbrauch durch das Aufwärmen deutlich nach oben.
Die 847 km eignen sich für eine erste Routenplanung, sollten aber nicht als garantierter Abstand zwischen zwei Tankstopps verstanden werden.
Das praktische Fazit: Der Bigster Hybrid spielt seine Effizienz in der Stadt und im gemischten Verkehr aus. Bei hohem Tempo nähert sich sein Verbrauch jedoch den Werten eines herkömmlichen Benzin-SUVs. Für lange Fahrten ist es sicherer, eine Reserve einzuplanen und die Route nicht auf Basis einer theoretischen vollständigen Tankentleerung zu planen.










