Lamborghini ändert die Pläne: Das vierte Modell wird ein Hybrid-GT statt eines Elektroautos

Lamborghini entwickelt weiterhin sein viertes Serienmodell, doch das Konzept hat sich deutlich verändert. Das 2023 als rein elektrischer Lanzador vorgestellte Auto wird nun als Plug-in-Hybrid entwickelt. Gleichzeitig schärft die Marke die Positionierung des künftigen Neuzugangs: Es soll ein zweitüriger Gran Turismo mit 2+2-Sitzanordnung werden, kein weiteres SUV und keine große Limousine.
13. Juli 2026 veröffentlichte Autoblog ein Interview mit Stefano Cossalter, dem Leiter der Modellreihe Urus. Er bestätigte, dass Lamborghini den Elektroantrieb für den Serien-Lanzador aufgegeben hat und derzeit kein separates, vollelektrisches Serienmodell entwickelt. Die Arbeit an Batterien, Elektromotoren, Software und Zellchemie läuft jedoch weiter.
Das bedeutet nicht, dass das vierte Modell gestrichen wurde. Vor allem der Antrieb und möglicherweise auch die Proportionen der Karosserie ändern sich. Der Name Lanzador wird im Zusammenhang mit dem Projekt weiter verwendet, Lamborghini hat aber noch nicht bestätigt, ob er auch beim Serienauto bleiben wird.
Wie sich das vierte Lamborghini-Projekt entwickelt hat
Die erste grobe Richtung kam am 18. Mai 2021, als das Unternehmen seine offizielle Direzione-Cor-Tauri-Strategie vorstellte. Der Plan sah vor, zunächst die bestehende Modellpalette zu hybridisieren und anschließend in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts ein viertes Modell mit rein elektrischem Antrieb auf den Markt zu bringen.
18. August 2023 zeigte Lamborghini auf der Monterey Car Week das Lanzador-Konzept. Der Hersteller beschrieb es als Vorschau auf das künftige vierte Modell und plante den Serienstart für 2028. Das Konzept hatte zwei Elektromotoren, Allradantrieb und eine angegebene Spitzenleistung von mehr als einem Megawatt.
Damals stand Lanzador für eine neue Kategorie der Marke: Ultra GT, ein hohes zweitüriges Auto mit vier Sitzen, größerer Bodenfreiheit und einem praktischeren Innenraum als Lamborghinis Supersportwagen mit Mittelmotor.
30. Januar 2024 bestätigte das Unternehmen den Zeitplan in einem Update der Direzione-Cor-Tauri-Strategie noch einmal: Das erste Serien-EV wurde für 2028 erwartet, ein elektrischer Nachfolger des Urus für 2029. Dieser Plan wurde später überarbeitet.

Was sich 2026 geändert hat
Eine öffentliche Bestätigung der neuen Richtung gab es am 23. Februar 2026. Ein Lamborghini-Sprecher sagte gegenüber Car and Driver, dass die erste Serienversion des künftigen Modells ein Plug-in-Hybrid wird. Die ursprünglich angekündigte reine Elektroversion des Lanzador ist nicht geplant.
19. März 2026 stellte Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann im Gespräch mit Autocar klar, dass die Marke die Elektrotechnik nicht für immer aufgegeben hat. Das erste Serien-EV wird nun jedoch erst nach 2030 erwartet, sofern Nachfrage und technisches Niveau den Anforderungen des Unternehmens entsprechen.
In einem Interview beim Goodwood Festival of Speed, das am 13. Juli veröffentlicht wurde, ergänzte Stefano Cossalter, dass die interne Entscheidung gegen den elektrischen Lanzador bereits 2025 gefallen sei. Seiner Ansicht nach zeigen Lamborghini-Kunden noch nicht genug Interesse an E-Autos, und aktuelle Lösungen liefern nicht das Maß an Emotionalität, das die Marke für unverzichtbar hält.
Merkmal | Lanzador 2023 | Aktuelle Projektausrichtung |
Antrieb | Rein elektrisch, zwei Elektromotoren | Plug-in-Hybrid; genaue Auslegung nicht genannt |
Leistung | Das Konzept sollte mehr als 1 MW erreichen | Nicht bekanntgegeben |
Format | Hohes Ultra GT mit 2+2-Sitzanordnung | Zweitüriger Gran Turismo 2+2 |
Position in der Modellpalette | Zwischen den Supersportwagen und dem Urus | Dasselbe Segment, aber mit stärkerem Fokus auf klassischen GT-Charakter |
Ursprünglicher Zeitplan | 2028 | Es gibt noch kein offizielles Datum für den Marktstart |
Name | Lanzador | Für das Serienmodell noch nicht bestätigt |

Die technischen Daten des Konzepts von 2023 lassen sich nicht einfach auf den künftigen Hybrid übertragen. Mehr als ein Megawatt Leistung, zwei Elektromotoren und die übrigen technischen Details gehörten zum Showcar selbst.
Warum Lamborghini sich für einen Plug-in-Hybrid entschieden hat
Lamborghini-Verantwortliche nennen zwei Hauptgründe. Der erste ist die Nachfrage: Auf Basis von Kundenbefragungen, Rückmeldungen aus dem Handel und Marktanalysen fiel das Interesse an elektrischen Sportwagen niedriger aus als das Unternehmen bei der ursprünglichen Planung erwartet hatte.
Der zweite Grund liegt im Charakter des Autos. Eine sofortige EV-Beschleunigung reicht nicht, wenn dem Fahrer Rückmeldung, Klang und das Gefühl fehlen, wie der Antrieb arbeitet. Lamborghini untersucht weiterhin künstliche Schaltvorgänge und Sounddesign, sieht diese Systeme aber noch nicht als vollständigen Ersatz für klassische Mechanik.
Ein Plug-in-Hybrid ermöglicht es, einen Verbrennungsmotor beizubehalten und gleichzeitig die Vorteile von Elektromotoren zu nutzen: sofortiges Drehmoment, eine kontrollierte Drehmomentverteilung und die Möglichkeit, in bestimmten Modi rein elektrisch zu fahren. Dieser Ansatz wird bereits in der aktuellen Modellpalette der Marke eingesetzt.
Der konkrete Motor des vierten Modells wurde jedoch noch nicht bekannt gegeben. Angaben zu einem V8, einem V12, zur elektrischen Reichweite oder zur Herkunft der Plattform sind derzeit Spekulation. Lamborghini hat auch die Batteriekapazität und die Zahl der Elektromotoren nicht offengelegt.
Das künftige Auto wird kein zweiter Urus
24. März 2026 sagte Stephan Winkelmann gegenüber Journalisten, dass das Unternehmen verschiedene offene Segmente geprüft, die Idee eines kompakten SUVs und einer viertürigen Limousine aber verworfen habe. Die bevorzugte Lösung sei ein zweitüriger Gran Turismo mit zwei Hauptsitzen und zwei gelegentlichen Rücksitzen geworden.
Diese Positionierung führt Lamborghini zurück zu seinen Wurzeln. Die ersten Serienfahrzeuge der Marke, der 350 GT und der 400 GT, waren als schnelle, komfortable Autos für lange Strecken gedacht. Später füllten Islero, Espada und Jarama diese Rolle aus.
Das moderne Modell soll zwischen Temerario und Revuelto auf der einen Seite und dem größeren Urus auf der anderen liegen. Es dürfte Gepäckraum und Rücksitze bieten, wird aber nicht die Architektur eines klassischen Crossovers kopieren.

Bleibt das Design des Lanzador-Konzepts erhalten?
Eine offizielle Antwort gibt es noch nicht. Das Konzept von 2023 fiel durch seine hohe Karosserie, große Räder, Schutzelemente an den Radhäusern und die abfallende Dachlinie auf. In der Serienversion könnten die Proportionen niedriger ausfallen und sich stärker an einem klassischen Gran Turismo orientieren.
Cossalter bezeichnete das Projekt als Weiterentwicklung der GT-Idee und nicht als gewöhnliche Limousine oder SUV. Damit bleibt Lamborghini Spielraum für eine ungewöhnliche Karosserieform, die Bodenfreiheit, Langstreckentauglichkeit und die wiedererkennbare Silhouette der Marke verbindet.
Noch nicht bestätigt:
der Name des Serienwagens;
das Karosseriedesign und die genauen Abmessungen;
der Motor und die Auslegung des Hybridsystems;
Leistungs- und Fahrleistungsdaten;
Batteriekapazität und elektrische Reichweite;
die Plattform und der Produktionsstandort;
Preis und Verkaufsstart.

Was die Planänderung für Lamborghinis Elektrifizierung bedeutet
Lamborghinis aktuelle Modellpalette ist bereits vollständig elektrifiziert, aber nicht rein elektrisch. Der Revuelto kombiniert einen Saugmotor-V12 mit Elektromotoren, der Temerario nutzt ein Hybrid-System auf V8-Basis, und der Urus SE hat einen Plug-in-Hybrid-Antrieb.
Das vierte Modell wird diese Phase fortsetzen, statt die Marke direkt zu einem reinen Batterieantrieb zu führen. Die EV-Forschung stoppt nicht, doch der Zeitpunkt der Markteinführung hängt nun nicht nur von der technischen Reife ab, sondern auch davon, wie Käufer teurer Sportwagen dazu stehen.
Lamborghini verabschiedet sich also weder von Lanzador als Idee noch von einem eigenständigen vierten Modell. Das Unternehmen verabschiedet sich von dem ursprünglichen Szenario, in dem dieses Auto 2028 zum ersten Serien-EV der Marke werden sollte. Der neue Maßstab ist ein praxistauglicher zweitüriger 2+2-GT mit Plug-in-Hybrid-System und einem anderen Charakter als der Urus.










