Aston Martin behält den V12 bis 2035 – aber nur in kleiner Stückzahl

Aston Martin will sich vom Zwölfzylinder nicht so schnell verabschieden. Das Unternehmen hat seinen 5,2-Liter-V12 mit zwei Turboladern bereits an die aktuellen Vorgaben in Europa und den USA angepasst, und die begrenzte Stückzahl dürfte es ermöglichen, ihn mindestens bis 2035 einzusetzen.
Die wichtigste Voraussetzung ist, den Absatz der V12-Modelle unter 1000 Autos pro Jahr zu halten. Das sagte Aston-Martin-CEO Adrian Hallmark in einem Interview mit Auto Express, das am 6. Juli 2026 veröffentlicht wurde. Car and Driver gab seine Aussagen am 8. Juli ausführlich wieder, und am 13. Juli tauchte das Thema erneut in der Fachpresse auf.
Es geht nicht darum, den V12 in alle Modelle der Marke zurückzubringen. Der Motor bleibt ein Pluspunkt für die Flaggschiff-Gran-Turismo-Modelle und limitierte Serien, während die Kernpalette um den V8, 48-Volt-Hybridsysteme und auf längere Sicht Elektroautos aufgebaut wird.
Warum weniger als 1000 Autos pro Jahr wichtig sind
Hallmark erklärte, dass Aston Martin bei jährlichen V12-Verkäufen von unter 1000 Einheiten mindestens bis 2035 von Ausnahmeregeln für kleine Stückzahlen profitieren könne. Das Unternehmen hat kein separates Rechtsdokument veröffentlicht, das die Anwendung der Regeln auf konkrete Modelle und Märkte erklärt. Deshalb sind die Aussagen des Managers bislang die wichtigste Quelle für diese Zahl.
In der Europäischen Union gelten tatsächlich Sonderregelungen für kleine Hersteller. Auf der offiziellen Seite der EU-Kommission zu den CO2-Vorgaben für Pkw heißt es, dass Hersteller, die für weniger als 1000 Neuzulassungen pro Jahr verantwortlich sind, im Folgejahr von einem individuellen Emissionsziel befreit sind. Für andere Kleinserienhersteller gibt es die Möglichkeit, gesonderte Erleichterungen zu beantragen.
Diese Regeln bedeuten nicht, dass jeder Motor automatisch bis 2035 zugelassen ist. Zertifizierung, Schadstoffemissionen, der Flottendurchschnitt und die Vorgaben des jeweiligen Marktes spielen ebenfalls eine Rolle. Aston Martin setzt darauf, den V12 mit technischer Überarbeitung und sehr kleiner Produktion zu erhalten.
Der neue V12 kam erst 2024
Am 1. Mai 2024 stellte Aston Martin die neue Generation des V12 offiziell vor. In der Meldung zum Beginn einer neuen V12-Ära nannte das Unternehmen 835 PS und 1000 Nm.

Der Hubraum von 5,2 Litern und das Biturbo-Konzept blieben zwar erhalten, doch der Motor bekam überarbeitete Zylinderköpfe, Nockenwellen, Ein- und Auslasskanäle, neue Einspritzdüsen und Turbolader mit geringerer Trägheit. Der Hersteller stellte zugleich klar, dass der Motor für die teuersten und seltensten Modelle gedacht ist.
Am 2. September 2024 debütierte der Motor im Serien-Vanquish der dritten Generation. Laut der offiziellen Vorstellung des Aston Martin Vanquish leistet das Auto 835 PS, liefert 1000 Nm und beschleunigt bis 345 km/h. Die Produktion des Vanquish wurde von Anfang an auf weniger als 1000 Exemplare pro Jahr begrenzt.
Parameter | Bestätigte Angaben | Status |
Hubraum des V12 | 5,2 Liter | Offiziell von Aston Martin bestätigt |
Aufladung | Zwei Turbolader | Offiziell von Aston Martin bestätigt |
Leistung im Vanquish | 835 PS | Offiziell von Aston Martin bestätigt |
Drehmoment | 1000 Nm | Offiziell von Aston Martin bestätigt |
Richtwert für das jährliche V12-Volumen | Weniger als 1000 Fahrzeuge | Aussage des CEO im Interview |
Voraussichtliche Laufzeit des V12 | Mindestens bis 2035 | Aussage des CEO im Interview |
Zukünftige Modelle mit V12 | Vollständige Liste nicht veröffentlicht | Noch unbekannt |
Wo Aston Martin den V12 weiter nutzt
Der naheliegendste Träger des Motors bleibt der Vanquish. Er steht an der Spitze der frontmotorisierten Baureihe und passt bereits zur Strategie kleiner Stückzahlen. Der V12 eignet sich auch für Sonderprojekte wie Valour und Valiant, bei denen hoher Preis und limitierte Auflage wichtiger sind als Großserie.

Dabei hat das Unternehmen nicht versprochen, dass die nächste Generation des Vanquish zwangsläufig dieselbe Motorkonfiguration behält. Auch neue limitierte Serien nach den aktuellen Modellen wurden nicht genannt. Bestätigt ist nur der allgemeine Plan, den V12 weiterhin in kleinen Stückzahlen zu bauen.
Ein Sonderfall ist der Valkyrie. Sein frei saugender 6,5-Liter-V12 unterscheidet sich vom aufgeladenen Motor des Vanquish und gehört nicht zum selben Serienprogramm. Deshalb lassen sich Pläne für die Straßen- und Rennversionen des Valkyrie nicht einfach auf künftige Gran-Turismo-Modelle von Aston Martin übertragen.
Neue Plattform verbindet Sportwagen und SUV
Der Erhalt des V12 ist nur ein Teil der neuen Produktstrategie. Im Interview mit Auto Express sagte Hallmark, Aston Martin entwickle von Grund auf eine modulare Architektur. Sie soll die Basis für die nächste Generation von Sportwagen und SUVs bilden.
Nach Angaben des Unternehmenschefs soll die neue Konstruktion die Karosseriesteifigkeit erhöhen, ohne das Gewicht deutlich steigen zu lassen. Zu den genannten Entwicklungsrichtungen zählen steifere Aufnahmepunkte für das Fahrwerk, Hinterachslenkung und gemeinsame Komponenten für verschiedene Fahrzeugtypen.

Die ersten Modelle auf dieser Basis könnten in drei bis vier Jahren erscheinen, also ungefähr bis zum Ende des Jahrzehnts. Einen offiziellen Zeitplan, konkrete Fahrzeuge oder technische Daten der Plattform hat Aston Martin bislang jedoch nicht veröffentlicht.
Warum es in der Kernpalette keine Plug-in-Hybride geben wird
Die neue Architektur, so Hallmark, ist nicht für Plug-in-Hybride ausgelegt. Die Führung hält schwere Batterien und die Komplexität von PHEV für keinen ausreichenden Vorteil, vor allem wenn Besitzer das Auto selten an der Steckdose laden.
Stattdessen sollen künftige Verbrennermodelle mit 48-Volt-Mildhybridsystemen ausgerüstet werden. Eine solche Lösung erlaubt keine längere Fahrt nur mit Strom, kann den Motor aber beim Beschleunigen unterstützen, beim Bremsen Energie zurückgewinnen und Nebenverbraucher versorgen.
Das gilt nicht nachträglich für den Valhalla. Der Mittelmotor-Supersportler wurde bereits als vollwertiger Plug-in-Hybrid mit V8 und drei Elektromotoren entwickelt. Er bleibt ein eigenes Technikprojekt und nicht das Muster für die gesamte nächste Modellreihe.
Der elektrische Aston Martin kommt später
Die neue Plattform soll die Möglichkeit für einen vollelektrischen Antrieb mitdenken, doch der Start eines Serien-Elektroautos wurde in die 2030er verschoben. Das Unternehmen nannte kein genaues Datum und sagte auch nicht, ob das erste Elektromodell ein Sportwagen oder ein SUV sein wird.
Früher wollte Aston Martin das erste Elektroauto deutlich früher auf den Markt bringen. Die korrigierten Zeitpläne zeigen, dass die Marke auf eine Mischstrategie setzt: seltene V12 behalten, Mildhybride schrittweise einführen, den Start des Valhalla abschließen und parallel die Architektur für Batteriemodelle vorbereiten.
Was die Strategie für Käufer bedeutet
Der V12 in der Palette macht Aston Martin nicht günstiger oder verbreiteter. Im Gegenteil: Die begrenzte Produktion macht die Autos noch seltener und konzentriert den Motor auf die teuersten Versionen. Käufer müssen außerdem die regionalen Vorschriften beachten, denn die Verfügbarkeit eines bestimmten Modells kann sich zwischen Europa, den USA und anderen Märkten unterscheiden.

Bis 2035 wird der V12 wahrscheinlich nicht die wirtschaftliche Basis von Aston Martin sein, sondern die technologische und emotionale Spitze der Marke. Den Hauptabsatz werden Modelle mit V8, SUVs und schrittweise elektrifizierte Antriebe tragen.
Bestätigt sind derzeit der überarbeitete Motor, sein Einsatz im Vanquish und die Absicht der Führung, das jährliche V12-Volumen unter 1000 Fahrzeugen zu halten. Namen künftiger Modelle, ihre Starttermine und die Daten des 48-Volt-Systems wurden noch nicht genannt.










